Allgemeine Psychologie II

Hintergrund

Der Bereich des schärfsten Sehens liegt in der sog. Fovea centralis (Sehgrube). Dies ist der Bereich auf der Retina (Netzhaut), auf den ein Objekt projiziert wird, das gerade fixiert wird. Mit zunehmender Exzentrizität, d. h. mit zunehmendem Abstand vom fovealen Bereich, nimmt die Sehschärfe kontinuierlich ab. Soll eine Versuchsperson beispielsweise einen Buchstaben korrekt identifizieren, so muss dieser umso größer dargestellt werden, je weiter außerhalb des fixierten Bereichs er präsentiert wird. Innerhalb von ca. +/- 30° horizontaler Exzentrizität besteht sogar ein linearer Zusammenhang zwischen der Exzentrizität und der benötigten minimalen Buchstabengröße (Anstis, 1974; Farrell & Desmarais, 1990).

Projekt 1

Die Experimente von Anstis (1974) und Farrell und Desmarais (1990) wurden ohne Kontrolle der Blickbewegungen und nur unter Variation der horizontalen Exzentrizität durchgeführt. Ziel dieses Projekts ist es, Schwellwerte für die Buchstabengröße in Abhängigkeit von der horizontalen und vertikalen Exzentrizität zu bestimmen und mittels Eye-Tracking sicherzustellen, dass ungültige Durchgänge, in denen die Versuchsperson ihren Blick bewegt, ausgeschlossen werden. Als zusätzliche UV könnte auch die Aufgabe der Versuchsperson variiert werden (Detektion, Diskrimination, Identifikation). Je nach Umfang kann das Projekt von bis zu zwei Student/innen als Abschlussarbeit durchgeführt werden.

Projekt 2

Zur Kompensation der abnehmenden Sehschärfe in der Peripherie können Buchstaben mit zunehmender Exzentrizität größer dargestellt werden ("Butterfly-Wörter"; Nazir, Jacobs & O'Regan, 1998). Ziel des Projekts ist es, unter systematischer Variation der Wortlänge und des Vergrößerungsfaktors zu untersuchen, ob Butterfly-Wörter schneller als normal präsentierte Wörter korrekt erkannt werden. Das "Butterfly-Paradigma" könnte auch in weiteren Untersuchungen zur Lesbarkeit von Wörtern/Sätzen genutzt werden.

Literatur